Studie: Augmented und Virtual Reality im Personalmarketing – Alles eine Frage der Perspektive!

veröffentlicht am 23. November 2018 in Digitalisierung  News  .
Titelbild der Studienpräsentation Mixed Reality im Personalmarketing

Foto von Martin Sanchez auf unsplash.com

Wir sollten uns die Chance nicht vertun, die Welt aus ganz neuen Blickwinkeln zu entdecken!

Industrie 4.0 und Mixed Reality in Theorie und Praxis

Die vierte industrielle Revolution ist schon längst in den Unternehmen angekommen. Die auslösenden cyber-physischen Systeme, welche verschiedene separate Systeme miteinander verbinden und so Abläufe effizienter gestalten, erfordern auch die Anpassung der eigenen Arbeitsweisen. Grundlagen der sogenannten Arbeit 4.0 bilden die Informationserfassung, - bewertung und -verarbeitung. Für die Präsentation der Daten werden bislang Softwaresysteme mit zweidimensionaler Darstellung genutzt. 2016 haben diverse Studien auf die Bedeutung der virtuellen Technologien in der Arbeit 4.0 hingewiesen. Aber die prognostizierten Absatzzahlen wurden bisher nicht erreicht und der große Durchbruch lässt auf sich warten. Nichtsdestotrotz setzen einige Unternehmen, allen voran Fahrzeughersteller und Pharmaindustrie, Augmented und Virtual Reality (AR/VR) ein.

Als Überbegriff wird meist Mixed Reality genutzt. Ausgehend von Milgrams Realitäts-Virtualität-Kontinuum werden die einzelnen Technologien nach ihrem Realitätsgrad eingeordnet. Als erweitere Realität (AR) gilt die Einblendung von zwei- oder dreidimensionalen Objekten in die echte Umgebung, beispielsweise wenn 3D-Modelle von Fahrzeugen mithilfe eines Tablets, Smartphones oder einer AR-Brille betrachtet werden. Durch bestimmte Aktionen kann dieses Modell verändert werden, z.B. indem einzelne Komponenten oder eine andere Perspektive durch Gestensteuerung dargestellt werden. In der virtuellen Realität (VR) hingegen ist die gesamte Umgebungsdarstellung computergeneriert. Dadurch ergeben sich zwar mehr Freiheiten in der Interaktion aber auch eine höhere Abschottung gegenüber der natürlichen Umwelt. So kann u.a.durch einen virtuellen Flug problemlos die Arbeitsumgebung eines anderen Unternehmens besucht werden. Reale Geschehnisse um den Nutzer herum, wie Kommunikationsversuche des Arbeitskollegen nebenan, bleiben jedoch gänzlich unbemerkt.

Eine sehr persönliche Studie und ihre Hintergründe

Privat fasziniert mich der Einfluss der virtuellen Technologie auf die Kommunikation und Interaktion der Nutzer und Nichtnutzer. Im Rahmen meines nebenberuflichen Studiums wollte ich mehr über den Einsatz und die Nutzung von Augmented und Virtual Reality im Kontext des Personalmanagements herausfinden. Da die Studienlage (wie oben bereits aufgezeigt) 2016 ihren Höhepunkt fand, ist heute die Frage nach AR/VR meist nur ein Item von vielen im Fragenkatalog. Für den Personalbereich hat besonders die hier vorherrschende intensive Kommunikation gesprochen. Schließlich leiten Unternehmen an dieser Stelle mit ihrer Arbeitgebermarke und ihren Recruitingmaßnahmen den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme ein. Auch im späteren Verlauf der Beziehung, also nach Unterschreiben des Arbeitsvertrages, schließen sich im Rahmen des Employer Brandings diverse Maßnahmen zur langfristigen Bindung des neuen Mitarbeiters an.

Zwar habe ich im Rahmen meiner Tätigkeit im Innovationsmagement bereits einige Lösungen kennengelernt, aber einen wirklichen Überblick habe ich nicht gewinnen können. Deshalb habe ich meine Masterarbeit genutzt, um mich mit dem Thema genauer auseinanderzusetzen. Mithilfe von Experten aus Wissenschaft und Praxis entwarf ich einen Onlinefragebogen und bewarb diesen sowohl über Karrierenetzwerke als auch bei auf AR/VR bzw. den Personalbereich spezialisierten Verbänden. Nach knapp einem Monat hatten 95 Personen teilgenommen. Davon kämpften sich ganze 77%, also 73 Personen, bis ans Ende durch. Eine tolle Quote, die mich zu interessanten Ergebnissen führte. Die Fragen waren thematisch auf Geräte, Inhalte, Einsatzbereiche, Chancen und Risiken sowie Verbreitung und Zukunftsaussichten von AR/VR ausgerichtet. Die spannendsten Erkenntnisse sind in den folgenden Grafiken dargestellt.

Infografik AR/VR-Geräte

Infografik 1: AR/VR-Geräte und ihr individueller Bekanntheitsgrad

Infografik AR/VR-Einsatzgebiete

Infografik 2: Einsatz-Szenarien von AR/VR in Unternehmensbereichen und -abteilungen verteilt nach Kategorien

Infografik AR/VR-Zielgruppen

Infografik 3: Vier AR/VR-affiene Zielgruppen und ihre Ansprache über verschiedene Kommunikationskanäle

Infografik AR/VR-Chanchen

Infografik 4: Praxisorientierte Chancen im Personalbereich durch den Einsatz von AR/VR

Infografik AR/VR-Hinderungsgründe

Infografik 5: Hauptgründe für ein Nichtinvestieren in den Bereich AR/VR

Infografik AR/VR-Inhalte

Infografik 6: Inhalte und Recruitingmaßnahmen mit AR/VR-Hintergrund

Infografik AR/VR-Akzeptanz

Infografik 7: Wie werden AR/VR-Technologien in der Personalpraxis angenommen?

Infografik AR/VR-Wirkung

Infografik 8: Wirkung von AR/VR auf die öffentliche Reputation und das Unternehmensimage

Infografik AR/VR-Zukunft

Infografik 9: AV vs. VR: Welchem Bereich gehört die Zukunft und warum?

Infografik AR/VR-Zukunft1

Infografik 10: Welche Gründe sprechen für ein Personalmanagement mit AR/VR?

Infografik AR/VR-Zukunft2

Infografik 11: Welche Gründe sprechen gegen ein Personalmanagement mit AR/VR?

Autor: Cornelia Herre / Bildmaterial: TecArt
Verwendung von Inhalten, Bildmaterial und Dateien nur mit entsprechender Quellenangabe und Link zum Artikel!
Grafiken erstellt mit ibrandify and Freepik.

Die Studienerkenntnisse: Viele Puzzleteile formen ein Gesamtbild

AR/VR wird vor allem mit den passenden Brillen in Zusammenhang gebracht. Smartphones, Leinwände bzw. große Displayinstallationen oder auch Google Cardboard sind weniger bekannt. Und dass, obwohl besonders bei Snapchat virtuelle Einblendung von Hasenohren sehr beliebt sind.

In den Einsatzgebieten interessierten mich sowohl die allgemeinen Abteilungen als auch spezielle Aufgabenbereiche, wie Anlockmittel auf Personalmessen oder Employer Branding. Hier zeigen sich in den Ergebnissen eklatante Unterschiede. In der Buchhaltung empfinden 81% den Einsatz als unnötig, wobei gerade Entwicklungen von Absatzzahlen und Kosten Handlungsinformationen bieten. Aber vermutlich sitzen hier nicht die Entscheider, sodass andere Darstellungsweisen (zumindest vorerst) nicht gebraucht werden. Das Marketing, bekannt für seine Leidenschaft allem Neuen eine Chance zu geben, zeigt auch hier den entsprechenden Einsatz. Im Personalmarketing ist AR/VR das Highlight auf Messen, wo bereits 28% die virtuellen Lösungen als produktives Instrument einsetzen. In der Bewerberauswahl hingegen lehnen 50% die Nutzung ab, und dass obwohl reale Arbeitsaufgaben simuliert und die Reaktionen genau dokumentiert werden können. Was die Zielgruppen angeht, so begeistern sich besonders technik- und spielafine Personen aber auch Studierende und Berufseinsteiger für AR/VR. Sie lassen sich damit an den Messestand locken und zu einer Bewerbung oder auch langfristigen Tätigkeit im Unternehmen bewegen.

Besondere Vorteile sehen die Befragten in der Ressourceneinsparung und den verbesserten Arbeitsweisen. Als Hinderungsgründe, dennoch nicht in die Technik zu investieren, sehen die Teilnehmer die geringe Nutzungsdauer, fehlende Infrastruktur für Gruppen, Umsetzungskosten sowie das fehlende Wissens zur Entwicklung und Pflege. Anfangs vermutete Gründe im Datenschutzbereich, wie die Speicherung von Gesten oder Eyetracking, oder die Gerätekosten im Allgemeinen scheinen keinen Einfluss auf die Ablehnung zu haben.

Vornehmlich für die Arbeitgebermarke spielen sowohl die äußere Wahrnehmung von Unternehmen sowie deren Präsentation ihrer Lösungen in den Medien eine wichtige Rolle. Unternehmen gelten so nicht nur als innovativ und modern, oder mitarbeiter- und kundenfreundlicher, sie arbeiten ebanfalls effizienter. Jedoch stehen die Unternehmen auch unter Verdacht, nur Pilotprojekte oder gar lediglich Videos und Bilder zu präsentieren, um von den positiven Wirkungen zu profitieren.

Weiterhin interessierten mich das Potenzial und die Einschätzung im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung. Dabei sind die meisten Befragten von Augmented Reality überzeugt, besonders aufgrund der vielen Anwendungsmöglichkeiten und der leichteren Integration in den Alltag, z.B. als Erweiterung des Smartphones. Virtual Reality punktet vor allem durch die Möglichkeit, sich auf bestimmte Umwelten und Informationen besser konzentrieren zu können. Die detaillierte und individuellere Informationsverarbeitung und Kommunikation unabhängig von Entfernungen sind zudem Vorteile, die eine positive Zukunft der Technologie vermuten lassen.

Fazit: Der Grundstein für den Massenmarkt ist gelegt!

Durch die Recherche anderer Studien und die Betrachtung des aktuellen Medienbildes („VR ist tot“) war ich eher negativ geprägt. Umsomehr überraschten mich die Anzahl der Studienteilnehmer und der Fakt, dass sich Augmented und Virtual Reality bereits in einigen Bereichen als produktive Instrumente etablieren konnten. Die Chancen und Risiken werden von den Unternehmen aktuell genau analysiert und abgewogen, was im Umkehrschluss vermuten lässt, dass diese auch bald investieren werden.

Wenn die Verfügbarkeit von AR/VR an Orten wie Bibliotheken oder Bildungseinrichtungen ansteigt und mehr gut durchdachte und hochwertige Anwendungsszenarien und Best Practice Projekte umgesetzt werden, ist der Durchbruch auf den Massenmarkt fast geschafft. Bis dahin gilt es, sich mit der Technologie auseinanderzusetzen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Auch braucht es ein klein wenig Mut, um Ideen in die Tat umzusetzen, da das Ergebnis manchmal nicht wirklich vorhersehbar ist.


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Autoreninfo

Cornelia Herre

Hier bei TecArt bin ich für das Innovationsmanagement, die Informationssicherheit und den Datenschutz verantwortlich. Als gelernte Fachinformatikerin und studierte Organisations- und Personalentwicklerin (M.A.) vereine ich zwei Wissenwelten, die mir meine tägliche Arbeit erleichtern. Für interne und externe Forschungsvorhaben finde ich schnell geeignete Szenarien in den Bereichen Cloud-Computing, Mixed-Reality, Industrie und Arbeit 4.0. Als TÜV-zertifizierte Datenschutzbeauftragte und Informationssicherheitsbeauftragte der TecArt kümmere ich mich u.a. um die Themen DSGVO und Datensicherheit.

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