Woher kommt und wohin geht Lernen 4.0?

veröffentlicht am 14. Juli 2017 von in Digitalisierung  .

In meinem Artikel „Digitalisierung erzwingt Bildung 4.0“ bin ich auf die Bedeutung und die Wichtigkeit der Bildung und des Lernens eingegangen. Aber um zu sehen, wie sich Lernen weiterentwickelt, werfen wir heute ein Blick zurück.

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Foto: geralt auf pixabay CC0 public domain

Was sind die Meilensteine der Bildungsentwicklung damals bis heute?

Bildung, abgleitet von bildunga, ist ein „mehrdeutiger Begriff, der Gestalt und Gestaltung, Abbild und Nachahmung umfasst“¹. In den letzten 2.500 Jahren haben den Begriff besonders Platon, Meister Eckhart und Wilhelm von Humboldt geprägt. Platon (400 v. Chr.) bspw. verstand unter Bildung die Umlenkung (periagoge) der Seele von den Schatten der Dinge zu ihrem Sein (siehe auch Bildnis des Höhlengleichnis). Dabei übermittelt sie keine Kenntnisse oder bildet Fähigkeiten aus. Meister Eckhart (um 1300 n. Chr.) definierte Bildung für sich als das „Erlernen von Gelassenheit“ und wurde im Mittelalter als „Gottessache“ angesehen, „damit der Mensch Gott ähnlich werde“ Imago-Dei-Lehre. Durch die Erfindung des Buchdrucks von Gutenberg (um 1450) war es zudem möglich, Wissen schneller festzuhalten und weiterzugeben. Humboldt (um 1809) betrachtete Bildung als einen aktiven Prozess, damit sich die Menschen über die Aneignung der Welt entfalten können und dies zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führt.² Geleitet von diesen Gedanken entwickelte er das erste mehrgliedrige Schulsystem in dem jeder nach seinen Anforderungen gefördert wird. Dieses Ideal findet sich noch heute in unserem Bildungssystem wieder.

Was ändert sich beim Lernen in der Digitalisierung?

In der Entwicklungspsychologie wird Lernen ganz allgemein als eine geordnete, nachhaltige Transformation von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wertvorstellungen verstanden. Für diese existieren physiologische- (limbisches System und Großhirn) als auch psychologische Voraussetzungen (Emotion, Motivation, Kreativität, Rezeption und Aktion). Über die Jahrhunderte hinweg, entwickelten sich verschiedenste Lernkonzepte, mit deren Erklärung ganze Bücher gefüllt werden könnten, daher konzentrieren wir uns an dieser Stelle eher auf die digitalisierten Lernmethoden. Das Multimedia-Lernen entwickelte sich in den 60er Jahren. Die Grundlage dafür bildeten u.a.

  • der Z1 - erster freiprogrammierbarer mechanische Rechner von Zuse (1938)
  • UNIVAC I -erster kommerzieller Röhrenrechner und
  • PDP-8 – erster Minicomputer für unter 20.000 Dollar (1964) schafften.

Nachdem der Computer nun erschwinglicher für Universitäten war, wurde auch in den 80er Jahren die Nutzung in Unternehmen und Zuhause, u.a. durch den Apple Mac, Commodore und Atari populärer. Unter Multimedia werden Computerprogramme verstanden,

„(…) die Text, Bild und Ton sowie Video oder Simulation zusammenfügen“.

Das bedeutet, dass der Computer eine steuernde Funktion übernimmt, aber Lernweg, Lerntempo und Lernkontrolle werden vom Lernenden größtenteils selbst bestimmt. Jedoch sind Interaktionen nur eingeschränkt möglich. Eingesetzt wurden solche Systeme besonders gerne in sogenannten Sprachlaboren in Schulen und Universitäten.

Durch die Verbreitung des Internets (ab 1991) hat sich ab Ende der 90er Jahre der Begriff des e-Learnings etabliert. Als e-Learning werden alle Lernformen verstanden,

„(…) in denen die Verbindung zwischen Lehrenden und Lernenden, sowie der Lernenden untereinander telematisch hergestellt werden“

Das Multimedia-Lernen wird mit dem Element der elektronischen Kommunikation erweitert, sodass das Lernen mit Hilfe von Internetblogs, Chats, Online Communities und Videokonferenzen ermöglicht wird. Bekannteste Formen sind:

  • E-Teaching: Lehrinhalte werden als Videos und Präsentationen vermittelt
  • E-Tutoring: Materialien und Übungsaufgaben werden in digitaler Form zur Verfügung gestellt
  • E-Moderation/E-Coaching: Aufgabenstellung wird gemeinsam mit anderen Lernenden bearbeitet

Alle genannten Formen werden von einem Lehrenden beaufsichtigt, der auch Rückfragen beantwortet. Ein weiterer Trend ist das Blended-Learning, in dem die Elemente des E-Learnings mit Präsenzphasen in der Bildungsstätte verbunden werden. Meist finden dabei Auftakt und Abschluss an einem Ort gemeinsam mit den Lehrenden statt und die Wissensaneignung erfolgt online.
Mit der Ausweitung und der technischen Verbesserung von Notebooks und der Internetübertragungsgeschwindigkeit, sowie der Einführung von Smartphones und Tablets, wie iPhone (2007) und iPad (2010), entwickelte sich das Mobile Learning. Damit wird das E-Learning portabler in Hinsicht auf Zeit, Ort und Stromquellen. Informationen und Wissen sind somit jederzeit im Lern- oder Arbeitskontext unmittelbar abrufbar. Als weitere Ausprägung des E-Learnings kann das Smart Social Learning betrachtet werden. Dabei werden die Informationsinhalte durch Endgeräte, welche am Körper getragen oder sich in der Umgebung befinden, generiert und dargestellt. Dazu zählen bspw. Smartwatches und Smarthome. Dadurch wird die Nutzung sozialer Netzwerke und webbasierter Informationssysteme weiter vereinfacht. Gleichzeitig müssen aber auch andere Repräsentationsmethoden, zugeschnitten auf die Größe der verwendeten Displays, entwickelt werden.

Digitalisierung erzwingt Bildung 4.0

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Woher kommt und wohin geht Lernen 4.0?

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Wie sieht das Lernen in Zukunft aus?

Natürlich ist es kaum möglich konkret zu sagen, wie zukünftige Generationen lernen werden. Aber bereits heute zeigt sich, dass der Fokus vom Fakten-Auswendiglernen sich mehr in Richtung Recherchekompetenz und Verstehen von Zusammenhängen verschiebt. Ob dies nun durch die Technologie verursacht oder das Ergebnis des veränderten Lernprozesses ist, darüber existieren geteilte Meinungen. Tatsache ist jedoch, dass die Technologie sich weiterentwickeln wird und die ersten Schritte in E-Augmented Learning bereits heute gegangen werden. Unter dieser Form wird derzeit die virtuelle Präsentation von Daten integriert in die reale Umgebung über eine Augmented-Reality-Brille, wie die Hololens, verstanden. Weitere aktuelle Trends, wie künstliche Intelligenz, Internet of things und Robotik werden das Lernverständnis neu prägen und neue Fragen, bspw. im Bereich des Datenschutzes und der Ethik, aufwerfen. Ich denke auch, dass die individuelle Wissensaneignung und die Kompetenz zur Recherche und Bewertung der Information noch stärker zunehmen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass beim Lernenden Demotivation und soziales Faulenzen aufkommen, wenn für jedes Problem bereits eine Lösung online niedergeschrieben ist.

Fazit

Lernen und Bildung haben ähnliche Umbrüche erlebt, wie die Industrialisierung. Durch die Anpassung und Einführung neuer Methoden und Technologien, ist heute Industrie 4.0 und Digitalisierung in jedem Ohr. Dass es natürlich auch Abhängigkeiten und ein gegenseitiger Einfluss zwischen Industrie und Lernen besteht, ist unbestreitbar. Dennoch bildet das über Jahrhunderte aufgebaute und dokumentierte Wissen den Weg in die Zukunft, da dieses die Grundlage bildet und das „neue Wissen“ vor allem durch die Vernetzung gewonnen und verteilt wird. Oder kurz gesagt: Es handelt sich um alten Wein in neuen Schläuchen.

Quellen:
¹Betz, H. D. (1998): Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 4. Auflage, Tübingen.
²Humboldt, W. (1792/1960): Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates
zu bestimmen. In: Humboldt, W. von: Schriften zur Anthropologie und Geschichte/Werke.
Flitner,A./Giel, K. (Hrsg.). Darmstadt, S. 56-233.


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Cornelia Herre

Hier bei TecArt bin ich für das Innovationsmanagement verantwortlich. Als gelernte Fachinformatikerin und studierte Lehr-, Lern- und Trainingspsychologin vereine ich 2 Wissenwelten, die mir meine tägliche Arbeit stark erleichtern. Für interne und externe Forschungsvorhaben finde ich schnelle geeignete Szenarien in den Bereichen Cloud-Computing, Industrie 4.0 und Mixed-Reality.

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