Open Source vs. Closed Source

veröffentlicht am 08. Juni 2018 in Tipps & Tricks  .

Was ist da bloß los? Seit dem politisch initiierten Niedergang des Linux-Projektes der Münchner Stadtverwaltung "LiMux" ist eine Diskussion um pro und contra Microsoft vs. Linux bzw. closed source vs. open source entbrannt.

Guy Fawks zwischen Stormtroppers

Abbildung: Foto von Annie Spratt auf Unsplash

Die ARD berichtete u.a. in Zusammenarbeit mit Heise Medien (Herausgeber der renommierten Fachzeitschrift c't und dem größten deutschen IT-News-Portal Heise Online) darüber und hielt ein brennendes Plädoyer für freie Software in öffentlichen Einrichtungen. Zeitungen und Online-Portale berichten davon.

Was ist eigentlich freie Software bzw. Open-Source-Software?

Es gibt einen Unterschied zwischen freier Software und Open-Source-Software, auch wenn diese Begriffe oft synonym verwendet werden. Freie Software kann auch "closed source" sein und trotzdem frei zur Verfügung stehen. Freie Sofware findet man häufig in Download-Portalen und auf Plattformen wie GitHub. Open Source Software wiederum legt immer den Quellcode offen, muss jedoch nicht zwingend frei verfügbar sein. Diese Regelungen werden in den Lizenzbestimmungen definiert. Der am häufigsten angewandte Lizenztyp für Open-Source Software ist die sogenannte "General Public Licence", auch GPL. Diese stammt aus der GNU/Linux Urgeschichte und legt den Kodex zugrunde, dass jede Änderung/Anpassung an dem freien Quellcode auch wieder öffentlich zur Verfügung gestellt werden muss. Man spricht hier gemeinhin von "der Entwickler-Community", die sich um Kontrolle, Weiterentwicklung und Pflege des Quellcodes kümmert. Diese Arbeit erfolgt oft ehrenamtlich, doch auch die großen kommerziellen IT-Konzerne verfolgen eine Open-Source-Strategie. So sorgt z.B. Intel stets dafür, dass Linux deren neueste Chips unterstützt und bezahlt dafür seine Entwickler, die am Linux-Kernel oder an entsprechenden Treibern arbeiten. Microsoft bietet seit Kurzem ein Linux-Subsystem, das tatsächlich aus dem Windows-Store geladen werden kann. Damit will Microsoft Entwickler ansprechen, die sich eher bei Linux als Arbeitsumgebung zu Hause fühlen. Google's Betriebssystem "Android" ist open-source, genauso wie die Basis des Chrome-Browsers "Chromium".

Welche Geschäftsmodelle stecken hinter Open-Source?

Die Geschäftsmodelle sind vielfältig. Allen gemein ist, dass die freien Softwareprodukte bzw. deren Lizenzen nicht im klassischen Sinne verkauft werden. Google verdient an den Nutzerdaten, indem diese für Werbung kommerzialisiert werden. Microsoft geht es um Marktanteile und die Erkenntnis, dass die jahrelang gepflegte Feindschaft zu Linux am Ende doch nichts bringt. Intel ist darauf angewiesen, dass deren Prozessoren vor allem im Server-Bereich kompatibel zu Linux sind, denn hier liegt der Anteil von Linux-Betriebssystemen geschätzt bei 75%.

Es gibt auch einige geschäftliche Anwendungen, die mit offenem Quellcode angeboten werden. Rund um diese Softwareprodukte hat sich eine "Consulting-Landschaft" ausgebildet. Hier wird das Geld nicht mit der Software an sich verdient, sondern mit Implementierung, Anpassung und Beratung/Support. Doch Dienstleistungen haben eine ganz andere Gewinnspanne als Lizenzen: Ab einem bestimmten Punkt des Absatzes kann im Lizenzverkauf recht schnell eine relativ hohe Marge erzielt werden, denn Lizenzen lassen sich in der Regel beliebig ausstellen und das Geschäft lässt sich damit problemlos skalieren. Die Erlöse aus dem Lizenzverkauf können eingebracht werden, um andere Teile des zugehörigen Portfolios zu unterstützen, man könnte auch sagen zu subventionieren. Das gilt etwa für Support oder Weiterentwicklung des Standardproduktes. Dienstleistungen lassen sich nicht beliebig skalieren. Mit jedem Projekttag hat der Unternehmer konkrete Aufwendungen für den Einsatz des Mitarbeiters, und die Personalressourcen sind auf jeden Fall endlich. So muss der Erlös aus der Masse an erbrachten Dienstleistungen und aus anderen erzielten Leistungen wie zum Beispiel Support und Wartung generiert werden.

Kostenlose Software = günstiger?

Dieser Unterschied kann theoretisch dazu führen, dass Softwareprojekte auf Open-Source-Basis, die von Beratungshäusern durchgeführt werden, länger dauern und die mittel- bis langfristigen Kosten für Anpassung und Wartung mitunter gleich hoch oder auch höher liegen können. Doch hier kommt es natürlich auf den Vergleich an! Stehe ich vor der Wahl, eine kompliziert auszulizenzierende Business-Software eines IT-Riesen einzusetzen, deren Lizenzkosten allein schon mindestens sechsstellig sind, oder geht es um eine Business-Anwendung, deren Kostenpunkt bei vielleicht 15.000 Euro liegt? In ersterem Fall wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Open-Source-Projekt günstiger in der Berechnung der Gesamtkosten - der sog. Total Costs of Ownership (TCO). Diesen Effekt belegen auch einige Studien. Doch im zweiten Szenario ist davon nicht mehr pauschal auszugehen, die Tendenz geht eher in die andere Richtung. Gerade dann, wenn das eigene Unternehmen, in dem das Projekt zum Tragen kommen soll, nicht eine riesige IT-Abteilung mit freien Personalressourcen aufbringen kann.

Wann lohnt sich der Einsatz von Open-Source im Unternehmensalltag?

Ob sich das eine oder andere Lizenzmodell lohnt, muss von Fall zu Fall betrachtet werden. So lohnt sich der Einsatz von Linux-Betriebssystemen auf Büro-PC's auf jeden Fall - vorausgesetzt, es werden keine Spezialanwendungen benötigt, die es für Linux nicht gibt, und man hat qualifiziertes Personal für die Systemadministration zur Hand. Für den Einsatz zu Hause kann ich Linux auf Ubuntu-Basis ebenfalls empfehlen, solange es um Office-Aufgaben und Internet/E-Mail geht; auch im Spielemarkt gibt es immer mehr Titel, die auch für Linux verfügbar sind. Generell unterstützt der Trend zu browserbasierten Anwendungen die Linux-Überlegung, denn diese Anwendungen sind unabhängig vom Betriebssystem einsetzbar. Für Business-Anwendungen gilt diese Empfehlung nicht uneingeschränkt. Denn solange ein Open-Source-Produkt eine weniger große Nutzerbasis hat, hat es potenziell auch eine weniger große und aktive Entwickler-Community - oder auch gar keine. Das ist durch Laien schlecht zu überprüfen, obwohl es eines der Hauptargumente für Open-Source ist: Die Community kontrolliert und pflegt das Produkt. Mitnichten ist das immer garantiert. Es kommt mitunter vor, dass sich "die Community" zerstreitet, was zur Folge haben kann, dass es zu Abspaltungen, sogenannten "Forks" einer Software kommt. Und was passiert eigentlich, wenn sich keine Community zusammenfindet, die eine offene Software pflegt und weiterentwickelt? Haben dann Cyber-Kriminelle leichtes Spiel, wenn sie Schadcode einschleusen und das lange unbemerkt bleibt? Eigentlich sollte das so leicht nicht funktionieren, und mir ist bislang auch kein solcher Fall bekannt.

Welches Lizenzmodell bietet TecArt?

Richtig, wir sind ein Anbieter von proprietärer Software. Der Kern sowie das Front- und Backend der TecArt Business Software ist vollständig durch uns entwickelt worden und wir besitzen die Eigentumsrechte daran. Hier einige Beispiele, wie wir mit Open-Source-Produkten umgehen:

  • Der Programmcode basiert auf der (freien) Programmiersprache PHP.
  • Die Daten, die über die Anwendung gespeichert werden, liegen in einer Datenbank. Diese Datenbank ist ebenfalls ein Open-Source-Produkt (mySQL/mariaDB). Dateien und E-Mails liegen in einem separaten File-System und werden zu den Datenbank-Daten verlinkt.
  • Unsere Anwendung muss zwingend auf einem Linux-Server installiert werden, damit sie von den Anwendern über das Netzwerk erreicht werden kann.
  • Unsere Desktop-App "TecArt-Starter" setzt auf offene Browser-Engines wie WebEngine.
  • Für unser Ticketsystem stellen wir eine Standard-Schnittstelle für Webseiten, ein sogenanntes Web-Frontend, als Open-Source-Produkt zur Verfügung. Es kann damit beliebig angepasst und erweitert werden.

Sie sehen, dass wir durchaus ein Faible für Open-Source haben, weil viele Komponenten unserer Gesamtlösung als ausgereifte Produkte im Open-Source-Markt zur Verfügung stehen. Zudem sind wir damit unabhängig von Großkonzernen, die alle Nase lang ihr Geschäfts- bzw. Lizenzmodell ändern. (Günstiger wird es ja in der Regel auch nicht...) Diese potenziellen Mehrkosten müssen wir somit auch nicht auf unsere Kunden umlegen.

Eine Kritik an Open Source Lösungen ist häufig, dass Entwicklungen sehr behäbig umgesetzt werden - wenn man nicht selbst auch Entwickler in "der Community" sitzen hat. Ist dies aber der Fall, dann können beliebige Anpassungen auch schnell und agil, entsprechend den eigenen Projektplanungen, vorgenommen werden. Wir bei TecArt verfolgen mehrere flexible Ansätze für Funktionserweiterungen und spezielle Kundenwünsche: Wünscht sich ein Kunde eine bestimmte Funktion, bewerten wir diesen Wunsch und können diesen dann im Rahmen einer Auftragsprogrammierung umsetzen. Die Umsetzung erfolgt entweder direkt im Softwarekern, über unsere Schnittstellen oder als Add-on über unser praktisches Add-on-Framework - eine Entwicklungsumgebung für inidividuelle Erweiterungen der Standardsoftware. Wissen wir von Wünschen, die bereits von mehreren Nutzern/Nutzergruppen angefragt wurden, initiieren wir mitunter auch Crowdfunding-Projekte innerhalb unserer Nutzer-Community. Zudem steht unsere Software auch Anpassungen und Erweiterungen durch unsere Kunden und Partner selbst offen, denn die frei verfügbare Schnittstellendokumentation für Server-API und Webservices sowie die saubere Beschreibung unseres Add-on Frameworks verschaffen unseren Kunden und Nutzern ebenfalls konkrete Freiheit.

Es geht um trust...

Open-Source-Software genießt ein sehr hohes Vertrauen bei den Nutzern, denn der Quellcode ist ja frei zugänglich und damit kontrollierbar, entsprechend qualifiziertes Personal vorausgesetzt. Damit leistet Open-Source-Software einen extrem wichtigen Beitrag für unsere digitale Gesellschaft, die geprägt ist von übermächtigen IT-Konzernen. Wir alle profitieren von Open-Source-Produkten, auch wenn wir sie nicht bewusst nutzen oder uns bewusst dafür entschieden haben. Wenn Sie das nächste Mal bei einer anstehenden Neuanschaffung eines neuen PC's stehen, denken Sie ruhig auch mal über Linux als Alternative nach - es lohnt sich! Auch Firefox ist nach wie vor ein sehr guter Browser, dem ich persönlich mein Vertrauen schenke; LibreOffice ist und bleibt kostenlos und ist dafür eine ausgezeichnete Office-Suite.

Anbieter proprietärer Software sollten unabhängige Audits zulassen und sogenannte Lock-in-Effekte vermeiden, die Nutzer in den eigenen Produkten "einsperren", indem sie keinen Datenexport in Standard-Dateiformaten wie CSV-Tabellen zulassen. Hier haben einige IT-Konzerne ein sehr merkwürdiges Verständnis von Kundenbindung. Ebenso dürfen Eigentumsrechte an Nutzerdaten nicht abgetreten werden. So etwas gehört einfach nicht in Nutzungsbestimmungen und AGB's. Wir bei TecArt ticken da - wie übrigens auch viele andere mittelständische Softwareanbieter - anders. Unsere Compliance in Bezug auf Kundendaten ist eindeutig auf den vollständigen Erhalt der Eigentumsrechte und den Schutz der Daten unserer Kunden ausgerichtet. Das schlägt sich in unseren Vertragsgrundlagen nieder und auch in unserer Software. Unsere Kunden haben die große Freiheit, alle Einstellungen selbst vorzunehmen und sie sind vor der Weitergabe ihrer Daten an Dritte bzw. der Verwendung und Analyse ihrer in der Software gespeicherten Daten durch uns als Anbieter geschützt.

Letztendlich verfolgt TecArt also ein hybrides Konzept, und lehnt sich sehr stark an die Grundwerte des Open-Source-Gedankens an. Freiheit, Schutz und Vertrauen sind nicht nur für Anbieter quelloffener Software wichtige Grundsätze, sondern sie stehen auch kommerziellen Anbietern proprietärer Software sehr gut!

Fazit

Ist nun freie Software per sé die bessere Wahl? Bitte erwarten Sie keine objektiv-richtige Antwort von mir. Die gibt es nicht! Es hängt von den Bewertungsmaßstäben ab, die man selbst anlegt. Unter Betrachtung von Datenschutz/Datensicherheit, Kontrolle, Freiheit und ja, mitunter auch bei dem Kriterium der einfachen Bedienung spricht vieles für freie Software. Unter dem Maßstab von Kompatibilität und Vielfalt professioneller Anwendungen wie CAD-Programme usw. verliert Linux derzeit noch den Vergleich. Doch wem Datenschutz etwas wert ist und ein Rechner zum Surfen im Internet und für ein Office-Aufgaben reicht, der sollte sich ruhig mal an ein Linux-System wagen.


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Oliver Baerwolff

Ich bin ein technikinteressierter Quereinsteiger in die IT-Branche. Deshalb kenne ich die Herausforderungen, die Außenstehende mit dem Thema haben. Mein Ziel ist es, die Potenziale die Unternehmen durch Business Software haben, verständlich und interessant zu gestalten, damit diese auch genutzt werden. Nicht zuletzt durch mein Studium der Kommunikationswissenschaften und Unternehmenskommunikation betrachte ich IT als ein wichtiges Medium zur Erreichung von strategischen und operativen Unternehmenszielen. Als CRM-Experte bin ich Mitglied des internen Strategie-Teams und des Produktmanagements.

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